Du bist Chief Creative Technologist – hört sich fast so an, als würdest du ein Grafik- oder Designteam leiten. Was verbirgt sich hinter dem Titel?
Meine Rolle hat tatsächlich einen starken kreativen Aspekt. Zwar steht das Technische im Vordergrund, aber wir befassen uns im Team auch viel mit den Themen Produkt-Konzeption und -Design. Schnelligkeit und Innovationen spielen im Digitalen eine große Rolle, dafür ist oft Kreativität gefragt. Das technische Know-how braucht man, um neue Ideen auch umsetzen zu können.

Was für Aufgaben gehören bei euch zum „daily business“?
Dadurch, dass wir als zentrales Team digitale Produkte für alle Condé-Nast-Marken entwickeln, sind wir in viele Themen involviert. Eine meiner wichtigsten Aufgaben ist es, die Projekte und Timelines meines Teams im Auge zu behalten: Wo stehen wir gerade? Wie kann ich unterstützen, wenn irgendwo Not am Mann ist? Wie verteilen wir die Ressourcen? Zusammen mit unserem Audience Development Team überlege ich: Wie können wir mehr Traffic auf unsere Webseiten bringen? Welche neuen Möglichkeiten oder Technologien könnten wir für die Marken nutzen? Sprachassistenten wie Amazon Alexa zum Beispiel…

Und ganz nebenbei bloggt ihr noch? Stichwort: Condé Nast Tech Blog…
Ja tatsächlich. Den Tech Blog haben wir ins Leben gerufen, um dem Team die Möglichkeit zu geben, Erfolge, aber auch knifflige Probleme aus ihrem Arbeitsalltag mit anderen Tech-Experten zu teilen. So kann man sich auch mal mit Entwicklern außerhalb von Condé Nast austauschen. Als wir uns zum Beispiel das erste Mal mit AMP (Accelerated Mobile Pages) von Google beschäftigt haben, konnten wir dort unsere Erfahrungen teilen: Wie sind wir das Thema angegangen? Was lief gut, was nicht? Leider kommen wir im Arbeitsalltag selten dazu, einen Beitrag zu verfassen. Aber es ist ein spannendes Nebenbei-Projekt und auch eine Tech-Spielwiese für uns. Zum Beispiel für unser CMS-System oder neue Quiz-Tools.

Apropos Spielwiese: Wenn dein Team eine Fußballmannschaft wäre, was wäre deine Position?
Wahrscheinlich die des Torwarts. Ich halte meinem Team den Rücken frei, den Kasten sauber und treibe sie – wenn es sein muss – auch hin und wieder etwas an (lacht).

Was war denn bisher dein absolutes Lieblingsprojekt?
Oh, auf jeden Fall VOGUEmail – das ist mein Herzensprojekt. Ob Yahoo, GMX, Web.de oder Gmail – alle Web-Clients sind unglaublich unemotional. Das hat mich schon immer gestört. Die überbieten sich an Funktionalitäten und Speicherplatz. Aber was sie nicht können: Spaß machen. Das wollte ich ändern. Mit VOGUEmail haben wir dann einen schönen Web-Client entwickelt, der auf Frauen mit Stil ausgerichtet ist. Es war eine etwas verrückte Idee. Soweit ich weiß, hat kein anderer Verlag jemals auf Basis einer seiner Marken einen Freemail-Service auf die Beine gestellt. Ich bin sehr dankbar, dass man hier die Freiheit hat, auch solchen Ideen nachzugehen, wenn sie Potenzial haben. Das ist nicht selbstverständlich.

Wie viel Fashion- und Beauty-Know-how brauchst du eigentlich, um bei solchen Themen mit den Redaktionen mithalten zu können?
Also ich bin definitiv kein Fashion- und Beauty-Experte (lacht). Aber es ist schon so, dass man hier und da nach und nach die Basics aufschnappt. Plötzlich weiß auch ich, was der Unterschied zwischen Ombré- und Balayage-Haaren ist – auch, wenn Hair-Styling nicht wirklich das Interessensgebiet von mir und meinem Team ist (lacht). Wichtig ist aber, dass wir ein gutes Gespür für die individuelle Ästhetik unserer Marken haben, weil das für das Interface-Design unserer Digital-Produkte von großer Bedeutung ist.

Was muss man denn mitbringen, um Teil deines Teams zu werden?
Für mich ist Motivation und die richtige innere Einstellung besonders wichtig – viel wichtiger als die offensichtliche Qualifikation und Berufserfahrung. Es kann auch jemand sein, der erst seit einem Jahr im Tech-Business ist, aber eben Lust auf neue Technologien und die eigene Weiterentwicklung hat. Dass zum Beispiel auch der klassische PHP-Entwickler außerhalb der Kerntechnologie mal versucht, einen Skill für Amazon Alexa zu entwickeln oder bei der Entwicklung von neuen Features für die GLAMOUR App mitmacht. Und ich suche Leute, die gerne aktiv mitdenken, vor allem wie man von technischer Seite aus das ganze Publishing Business weiterentwickeln kann. Dafür sollte man auch mal etwas wagen.

Als du damals hier angefangen hast: Was war die größte Umstellung für dich?
Vor Condé Nast habe ich in einer reinen Internetfirma und davor bei einem Online-Nachrichtenportal gearbeitet. Hier im Verlag musste ich mich zunächst daran gewöhnen, eine Art Berater-Rolle einzunehmen, um zum Beispiel bei den Print-Kollegen Verständnis und digitales Know-how aufzubauen. Was mich dabei bis heute begeistert: Noch habe ich niemanden im Verlag getroffen, der dafür nicht aufgeschlossen ist. Alle Kollegen stehen Digitaltrends und neuen Entwicklungen offen gegenüber. Auch den Print-Kollegen ist bewusst, dass Digital nicht mehr nur ein Anhängsel ist und hier im Verlag nun eine große Rolle spielt.

Was sollten wir sonst noch über dich und dein Team wissen: Gibt es Anekdoten oder Rituale?
Kennst du unser Freitags-Ritual? Da starten wir ab 17 Uhr mit einem Bierchen ins Wochenende. Wir treffen uns auf der Couch, trinken, reden und lassen die Woche gemeinsam ausklingen. Bei schönem Wetter auch oft auf der Dachterrasse. Da kann übrigens jeder aus dem Haus gerne vorbeischauen…

Vielen Dank, ich komme vorbei…
Wunderbar. Danke auch und bis dann!