27.10.2020 - Erstes gemeinsames Digital-Event von AD Architectural Digest und Euroboden: „Nur remote ist nicht New Work“

Anfang Oktober launchten AD Culture Consultancy, die neugegründete Consulting-Unit von AD Architectural Digest, und Euroboden Architekturkultur eine gemeinsame Initiative zum Thema New Work. Das Konzept Transformational Buildings bildet einen ersten Anknüpfungspunkt. Es steht für eine neue Typologie von Architektur, die Arbeiten und Leben neu denkt und gleichermaßen urbane, ökonomische, politische und soziale Faktoren umfasst. Am Donnerstag, den 22. Oktober 2020, luden AD Architectural Digest und Euroboden 136 Fachleute und Entscheider aus unterschiedlichen Disziplinen zum gemeinsamen Digital-Event. Das Ziel: der gemeinsame und direkte Austausch. Mit Oliver Jahn, Chief Creative Officer und Executive Business Director AD Architectural Digest und AD Culture Consultancy, und Stefan F. Höglmaier, geschäftsführender Gesellschafter der Euroboden Architekturkultur, debattierten und diskutierten Philosoph, Redner und Autor Dr. Christoph Quarch, die Kulturwissenschaftlerin und Social Entrepreneurin Dr. Joana Breidenbach, die Architektin und Hochschullehrerin Prof. Dr. Claudia Kromrei sowie der für das Hammerschmidt verantwortliche Architekt Muck Petzet und der Publizist Prof. Dr. Alexander Gutzmer, Director Kommunikation bei Euroboden Architekturkultur. Im Fokus stand die Frage, wie wir zukünftig arbeiten und leben und wie die geeigneten Gebäude aussehen könnten. Moderiert wurde die Veranstaltung von Valerie Präkelt (AD Architectural Digest).

Die Forderung des Abends war eine deutliche: New Work darf nicht mehr länger nur Buzzword sein. Es braucht die tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Thema, die Mensch und Raum gleichermaßen einbezieht. Die weltweite Corona-Pandemie habe dieser Notwendigkeit neue Brisanz verliehen, führte Oliver Jahn in den Abend ein:

„Natürlich ist Arbeit Teil des Alltags. Die große Herausforderung wird jetzt sein, den zu Tode gedroschenen Begriff der Work-Life-Balance, dem wir uns alle seit vielen Jahren immer wieder aussetzen müssen und der davon durchdrungen ist, dass wir darum ringen, das letzte Stückchen Privatheit zu behalten, wirklich neu zu denken. Unsere digitalen Geräte haben dazu geführt, dass wir praktisch immer ‘on’ sind und arbeiten. Die vermeintliche Balance war eher ein Verteidigen des letzten Bisschens ‘Life’. (…) Aus diesem Grund wollten wir die eigene Perspektive erweitern und aus der ästhetischen und lebenskulturellen Perspektive auf das Thema schauen. Der gemeinsame Think Tank ist deshalb auch ein Laboratorium, um den Diskurs unter dem Begriff Transformational Buildings voranzutreiben.“

Auch für Stefan F. Höglmaier, den zweiten Gastgeber des Abends, ist die zunehmende, auch räumliche Verschränkung von Leben und Arbeiten ausschlaggebend. Das Büro sieht auch er lange nicht am Ende. Trotzdem werde sich dessen Bedeutung grundlegend verändern:

„Der Luxus eines zweiten Orts ist eine große Qualität. Ich glaube nicht, dass die Leute das aufgeben wollen. Die Frage ist aber, welche Qualität hat dieser Ort? Ist er mehr als ein reiner Arbeitsplatz? Was kann ein Unternehmen anbieten, um Mitarbeiter zu motivieren, wirklich ins Büro zu kommen? Unternehmen werden nicht gut funktionieren, wenn alle nur von zu Hause arbeiten und die Kollegen sich nie real sehen. (…) Für die Bindung zu einem Unternehmen, braucht es einen realen Ort, über den Identifikation geschaffen werden kann. Es ist wichtig, dass Gebäude das leisten. Das können viele Gebäude wie sie bisher aufgesetzt sind, nicht.“

Das Hammerschmidt, der Prototyp des Transformational Buildings

Mit dem Hammerschmidt entsteht derzeit ein erster Prototyp des Transformational Buildings. Architekt Muck Petzet gab im Gespräch Prof. Dr. Alexander Gutzmer Einblicke in das offen gestaltete Raumkonzept, das die Nutzer in Interaktion setzt:

„Was das Hammerschmidt ungewöhnlich macht, ist, dass es von außen nach innen gedacht ist“, resümiert Petzet. „Weniger von der Gestaltung her als vielmehr über die Idee der Außenerschließung. Es gibt keinen zentralen Empfang, keine internen, engen Treppenhäuser, sondern gemeinsame Außenwege in den Bewegungs- und Aufenthaltsflächen. Das macht dieses Gebäude sehr unhierarchisch. Begegnungen passieren unausweichlich und selbstverständlich. So ist die Grenze zwischen Innen und Außen, zwischen der eigenen Einheit und der Gemeinschaft, zwischen Freizeit und Beruf sehr viel weicher und offener. Wir hoffen, dass es dadurch sehr viel mehr Interaktion gibt, aber auch Identifikation mit diesem Gebäude.“

Neuordnung statt Buzzwords. Warum es auch ökonomisch einen Paradigmenwechsel braucht

Philosoph und Autor Dr. Christoph Quarch ging mit seinem Vortrag noch einen Schritt weiter. Er forderte nicht nur eine neue, veränderte Herangehensweise an Architektur. Für ihn geht es um die radikale Transformation des ökonomischen Denkens:

„New Work, so wie es gemeinhin vermittelt wird, dient in den meisten Fällen der Optimierung der Maschine, führt aber nicht zu einer Disruption des Wirtschaftens. (...) Ich möchte dafür plädieren, dass wir die Metapher der Maschine als Leitmetapher unserer Ökonomie ersetzen durch eine andere, vielleicht bessere Metapher. Und zwar durch die Metapher des Gartens. Ein Garten“, ergänzt er, „ist ein Ort des Wachstum, nicht des exponentiellen, materiellen Wachstums, sondern eines nachhaltigen und naturgemäßen Wachstums. Er ist auch ein Raum, der ökonomische mit ästhetischen Aspekten verbindet. (…) Deswegen ist ein Garten eben auch ein Kulturraum, ein Lebensraum. Ein Lebensraum, der nicht alleine der Funktionalität des Ganzen verpflichtet ist, sondern der auch Raum gibt für die Potenzialentfaltung des Einzelnen, der einzelnen Menschen und Wesen, die in diesem Garten miteinander interagieren. Deswegen ist ein Garten immer auch ein schöpferischer Raum, in dem Neues wachsen und gedeihen kann und in dem die Interaktion zwischen Menschen und Natur stattfindet.“

Auch Dr. Joana Breidenbach sieht die Gesellschaft vor einem Paradigmenwechsel. Für sie geht das mit der konkreten Aufgabe einher, innerlich wie menschlich zu wachsen:

„Ich denke, dass wir in einer interessanten Phase sind. Denn natürlich gab es sehr viele dieser New-Work-Bewegungen, die dahingehen, die Unternehmenswelt mobiler, flexibler, schneller, dynamischer, innovativer zu machen. Das ist auch eine Folge der Digitalisierung. (…) Ich glaube aber, dass wir in vielen New-Work-Modellen durchaus auf einem wirklich anderen Transformationspfad sind. Unternehmen spüren ganz stark den Druck, sich zu verändern, Hierarchien zu verflachen, Rollenzuschreibungen zu verändern, Kulturen, Prinzipien und Prozesse aufzuweichen oder massiv zu reduzieren. Dadurch wird die Welt erst einmal sehr viel unsicherer für uns Menschen. Und wenn das passiert, müssen wir Sicherheit an einer anderen Stelle für uns Menschen aufbauen, nämlich in uns drin. New Work needs inner Work.“ Und sie ergänzt: „Nur remote ist nicht New Work. New Work ist für mich, wenn Entscheidungen in einem Unternehmen nicht nur von oben gefällt werden, sondern distribuiert entlang der Stellen im Unternehmen, an denen die meiste Kompetenz vorhanden ist.“

Der öffentlichen Raum ist essenziell

Dass die zunehmende Verschränkung von Arbeit und Leben durchaus auch kritisch betrachtet werden muss, dafür plädierte Prof. Dr. Claudia Kromrei. Sie lenkte den Blick auf die Relevanz des öffentlichen Raums. Die dürfe bei aller Fokussierung auf innere Prozesse nicht ausgeblendet werden:

„Was in der Debatte überhaupt nicht mehr stattfindet, ist ein öffentlicher Raum, der sozusagen allen und niemandem gehört, wo wir dem Fremden begegnen. Wo Dinge möglich sind, die unerwartet sind, wo eine Pause entsteht zwischen meinem Mittagessen und meinem nächsten Treffen mit Kollegen. (…) Der öffentliche Raum ist kein Arbeitsraum. Der öffentliche Raum ist der Ort des Handelns. Das politische Handeln, das Begegnen von Fremdem, das Demonstrieren – das ist vielleicht das beste Beispiel. Demonstrieren kann man nicht zu Hause, das kann man auch nicht im Büro. Und diese öffentlichen Dinge dürfen wir nicht außen vor lassen. Das ist das, was Richard Sennett so schön mit der Tyrannei der Intimität bezeichnet hat. Wenn wir den öffentlichen Raum, diese ‘res publica’ nicht mehr haben, dann ist alles verborgen im Inneren von Gebäuden, und dann gibt es diese sozialen Ordnungen, diese Orte des öffentlichen Handelns eben nicht mehr.“

Entsprechend auch ihr Schlusswort, dem alle Beteiligten an diesem Abend beipflichten: „Was Architektur mit dem Menschen macht, was sie mit dem Stadtraum macht, wie der Eingang formuliert ist, wie die Beziehung zwischen innen und außen formuliert ist, wie proportionierte Räume Architektur anbieten, das ist eine enorme Verantwortung. Die kann man sehr konkret messen und diskutieren. Das sollte in dieser Entwicklung neuer Gebäudetypologien eine ganz wichtige Rolle spielen – und unbedingt aufs Podium der Öffentlichkeit.“

Das erfolgreiche Digital-Event von Euroboden Architekturkultur und AD Architectural Digest bildete einen ersten Anknüpfungspunkt, das Thema New Work aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Online geht der Diskurs weiter: Unter tranformational-buildings.de finden Sie Ergebnisse des von Euroboden Architekturkultur und AD Culture Consultancy initiierten Think Tanks zum Thema neue Bürotypologien und New Work.

Für nähere Informationen, für Mitschnitte der Vorträge und Talks sowie für Interviewanfragen an Stefan F. Höglmaier und Oliver Jahn stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.

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Pressekontakt:
Condé Nast Germany

Laura Sodano
PR Managerin
Tel.: 089-38104-503
Email: laura.sodano@condenast.de

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