Controller. Da steckt der Schrecken ja schon in der Berufsbezeichnung ...
Keine Angst, das ist nur das Wort, das etwas furchteinflößend klingt. Genau genommen mache ich im Verlag kein pures Controlling, sondern vielmehr alles, was im Finanzbereich anfällt.

Das da wäre?
In unserer Abteilung erstellen wir die Monatsabschlüsse und -berichte. Darin sehen wir, wie wir finanziell dastehen – sowohl bei jeder einzelnen Marke als auch im gesamten Verlag. In diesen Berichten wird zum Beispiel dargestellt, wie das Ergebnis eines Hefts lautet, wie viele Kosten entstanden sind oder wie es um die Overhead-Kosten des gesamten Verlags steht.

Also geht es dabei vor allem um die absoluten Zahlen?
Nein, nein – wir kommentieren das Ergebnis natürlich auch. Allein sagen die Zahlen ja wenig aus. Wir stellen klar, warum die Abschlüsse so sind, warum die Kosten in einem Fall so hoch, die Erträge in einem anderen Fall unter den Erwartungen liegen – das kann ja immer plausible, aber nicht auf den ersten Blick erkennbare Gründe haben. Deshalb werden die Zahlen von uns stets sehr ausführlich und dezidiert erläutert.

Worin besteht die besondere Herausforderung in Ihrem Job?
Natürlich existiert ein gewisser zeitlicher Druck, das ist das eine. Es ist ja von existenzieller Bedeutung, dass der Verlag in jedem Monat vollkommen transparent darstellt, wie leistungsfähig er ist – und womöglich in naher Zukunft sein wird. Und zum anderen muss alles korrekt und sauber dargestellt werden.

Keine Arbeit für kreative Kröpfe ...
Die brauchen wir bei Condé Nast natürlich auch, aber die sind an anderen Stellen besser aufgehoben. (Lacht)

Werden Sie eigentlich von den Redaktionen als Partner oder als Gegner wahrgenommen, der den Rotstift ansetzt?
Ach, das ist bei Condé Nast kein Problem. Wir finden meistens einen harmonischen Mittelweg zwischen den kreativen und den kaufmännischen Erfordernissen unserer Arbeit. Wir sind schließlich alle in einem Unternehmen beschäftigt, das sich der Qualität verschrieben hat. Um es salopp auszudrücken: Wir lassen es uns etwas kosten, Geld zu machen ...

Ist das wichtiger, als über die handelsüblichen Talente eines Betriebswirts zu verfügen?
Das muss man trennen: Für den Job an sich muss man natürlich analytische Fähigkeiten und Spaß am Umgang mit Zahlen mitbringen. Darüber hinaus, da gebe ich Ihnen recht, geht es nicht ohne ein Gespür dafür, was der Verlag eigentlich macht: hochwertige journalistische Produkte. Das bedeutet, dass man hier in speziellen Situationen auch ein Verständnis dafür hat, wenn mal eine Zahl nicht den Erwartungen entspricht.

Haben Sie Betriebswirtschaft studiert?
Richtig, ich habe für meinen Bereich den klassischen Weg beschritten: Nach dem Abitur habe ich bei einer Versicherung eine kaufmännische Ausbildung gemacht, danach in Augsburg ein BWL-Studium absolviert.

Wie sind Sie dann zu Condé Nast gekommen?
Ich war in einer Wirtschaftsprüfung tätig und habe in diesem Rahmen den Condé Nast Verlag geprüft. Ich wusste also, was mich hier erwartete – und freute mich drauf. Das ist natürlich keine so trockene Materie wie in einer Wirtschaftsprüfung.

Was würden Sie potenziellen Bewerbern mit auf den Weg geben?
Die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Produkt und generell mit dem Verlag ist hier ungewöhnlich hoch. Deshalb ist es wichtig für potenzielle Bewerber im Controlling, dass sie sich nicht nur mit Zahlen und Bilanzen auskennen, sondern auch über soziale Kompetenzen verfügen und sich gerne mit den Marken und Werten des Verlags auseinandersetzen.