Entrepreneur in Residence – das klingt nach einem spannenden Job. Was verbirgt sich dahinter?
Der Titel soll aussagen, dass ich mich selbst als Unternehmerin im Unternehmen verstehe. Sprich: Ich beschäftige mich mit neuen Geschäftsmodellen in einem bestehenden Unternehmen. Bei Condé Nast geht es darum, neue Erlösmodelle zu entwickeln – und zwar im digitalen Umfeld. Als Entrepreneur in Residence lote ich aus, wo es im Verlag Potenziale dafür gibt. Eigentlich setze ich mich markenübergreifend mit Innovationsthemen auseinander. Aktuell befasse ich mich aber hauptsächlich mit der GLAMOUR App und den E-Commerce-Konzepten, die sich daraus für die Marke entwickeln lassen.

Das hört sich ja nach einem abwechslungsreichen Job an…
Ja, er ist wirklich sehr vielfältig. Auch wenn ich mich vor allem auf die GLAMOUR App fokussiere, kann man dieses Projekt wie ein eigenes Start-up sehen. Es gibt ganz viele Themen, um die ich mich kümmern muss: Ich habe ein Budget, mit dem ich wirtschaften muss, stimme mich mit Anwälten zum Thema Datenschutz ab, schreibe Konzepte und erstelle Layouts, gebe Ideen an Entwickler und Agenturen zur technischen Umsetzung weiter, teste Prototypen und arbeite auch an den Marketingplänen für unsere Produkte mit.

Nicht schlecht! Was muss man dafür können?
Also, man sollte eher Generalist sein als Spezialist. Ich bin es zumindest. Ich habe Wirtschaft studiert und bin dann so in das Internet hineingerutscht (lacht). Soll heißen, ich habe mir über die Zeit viel Wissen über Onlinemarketing oder auch Webentwicklung und -design angeeignet. Auch ist es hilfreich, wenn man Organisationstalent mitbringt und den Willen, dazuzulernen. Und man sollte sich auch mal etwas trauen. In meinem Job bin ich in einer Experimentierrolle. Oft gilt: einfach mal machen und gucken, was dabei rauskommt.

Ganz so einfach ist es wahrscheinlich nicht. Habt ihr nicht auch bewährte Methoden oder Tools, um App & Co. weiterzuentwickeln?
Wenn es um Ideenfindung oder ein neues Konzept geht, dann setzen wir im Team meist auf Design Thinking als Innovationsmethodik. Dieser Ansatz fokussiert sich sehr auf den Konsumenten und seine Bedürfnisse. Man fragt sich: Was hat der Konsument für Wünsche und wie können wir diesen begegnen? Design Thinking bündelt verschiedene Methoden, um diese Fragen zu beantworten: von Interviews mit Nutzern bis hin zu Workshops. Man sammelt Ideen zur Problemlösung und priorisiert sie. Dann trifft man eine Auswahl, aus denen man erste Prototypen baut. Es ist eine tolle Herangehensweise, um das Team kreativ werden zu lassen.

Apropos Team: App-Development klingt ja nach einem eher männerdominierten Feld…
Wenn es wirklich um die reine Softwareentwicklung geht, habe ich tatsächlich nur mit Männern zu tun. Da prallen oft Welten aufeinander. Die Entwickler haben schon ihre ganz eigene Sprache, die man kaum versteht. Da muss ich mich manchmal etwas annähern. Es entdecken aber auch immer mehr Frauen diesen Bereich für sich. Das sieht man bei Veranstaltungen und auch an den vielen Digital-Initiativen.

Und wie setzt sich dein Team sonst zusammen?
Meine Rolle ist im Organigramm zwar im Digitalbereich angesiedelt, gehört aber zu keinem Team. Ich bin also eher auf mich allein gestellt, was manchmal eine Herausforderung ist. Dafür kann ich meine Aufgaben selbst definieren, da habe ich viel Freiheit. Zu den Personen, mit denen ich aber regelmäßig zusammenarbeite, gehören unsere beiden Digitalchefs. Außerdem tausche ich mich häufig mit Projektmanagern im Haus sowie mit Agenturen aus. Und wenn es um das Thema GLAMOUR Shopping Week geht, gibt es natürlich einen engen Austausch mit der Marketing-Abteilung von GLAMOUR.

Stimmt, am Erfolg der GLAMOUR Shopping Week bist du mit der App ja auch beteiligt. Mit jeder Aktionswoche steigen die Zahl der teilnehmenden Shops und auch die der Shopping-Card-Nutzer an. Ist da überhaupt noch Luft nach oben?
Also Ziele kann man ja immer höher setzen (lacht). Wir glauben, dass noch viele Mode- und Shopping-Begeisterte da draußen sind, die wir mit dem Thema noch nicht erreicht haben. So wie wir die GLAMOUR Shopping-Week-Rabatte inzwischen auch für Männer anbieten, lassen sich noch weitere Zielgruppen erschließen. Da spielen zum Beispiel ländliche Gegenden eine große Rolle. Abseits der Großstädte gibt es ja meist nur online die Chance, teilzunehmen. Hier gibt es meiner Meinung nach noch ganz viel Potenzial nach oben.

Nun ist Condé Nast ja vor allem für die Print-Magazine bekannt. Blätterst du auch mal oder klickst du nur?
Ich genieße es schon, immer wieder mal vom Bildschirm wegzukommen. Wenn ich nicht am Laptop bin, dann am Handy oder Tablet. Das ist für mich oft auch zu viel des Guten. Dann lese ich gerne auch mal ein physisches Buch oder eine unserer Zeitschriften. Ich mag – wen überrascht es - vor allem unser Innovationsmagazin WIRED (lacht).

Gibt es etwas, dass dir an der Arbeit bei Condé Nast besonders gut gefällt?
Jeder hat hier ein besonderes Verständnis für Qualität. Und zwar sowohl was das Design als auch die Inhalte betrifft. Damit werden gewisse Maßstäbe gesetzt, die einen täglich herausfordern. Außerdem hat das Haus sehr starke Marken, die es über Jahrzehnte aufgebaut hat und die sehr gut positioniert sind. Das gibt einem die Möglichkeit, sich bei der Arbeit auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Na dann weiterhin viel Spaß und Erfolg dabei!
Vielen Dank.